How To: MTB 1x12 Schaltung einstellen (Shimano+SRAM)

How To: MTB 1x12 Schaltung einstellen (Shimano+SRAM) - Wie stelle ich meine 1x12 Schaltung ein? Wir geben Antworten!


Das Mysterium: MTB 1x12-Schaltung einstellen


Auch wenn im Sommer 2021 aufgrund globaler Engpässe nur wenige Schaltungen verfügbar waren, so hat uns doch immer wieder mal die Frage erreicht, wie man eine 1fach Schaltung einstellt. Auch wenn die Elektronik nun Einzug gehalten hat, werden viele noch auf das alt vertraute und vor allem bewährte zurückgreifen. Die elektronische Schaltung EAGLE AXS von SRAM werden wir dann demnächst vorstellen.

Gleich vorweg...Schaltung einstellen ist kein Mysterium!

Gründe gibt es viele, warum man sich seine Schaltung mal genauer anschauen sollte. Laufleistung und widrige Umstände auf dem Trail machen das unabdingbar. Nicht immer muss es eine neue Schaltung oder Schaltwerk sein. 

Bevor wir an die Einstellungen gehen, wollen wir die relevanten Einstellschrauben vorstellen:
 
Im Bild siehst du das aktuelle 1x12 Shimano XT-Schaltwerk. Solltest du ein SRAM Eagle Schaltwerk oder ein älteres Modell von Shimano verbaut haben, informierst du dich am besten über die Lage der Schrauben oder du nimmst dir die Zeit und schaust dir dein Schaltwerk mal genau an. Dann wird schnell klar, welche Einstellschraube was bewirkt.


In unserem Fall ist die B-Schraube für den Abstand der oberen Schaltrolle, der Leitrolle, von der Kassette verantwortlich. Das Schaltwerk stützt sich über diese Schraube am Schaltauge ab und definiert somit die Position des Schaltwerks.
Der Abstand bestimmt letztendlich die für die Kraftübertragung und Schaltperformance wichtige Umschlingung der Kette mit den Ritzeln.


Die H-Schraube ist die Anschlagschraube für den höchsten Gang (high) und limitiert einseitig die Position des Schaltwerks am kleinsten Ritzel. Diese Einstellung sichert, dass die Kette nicht zwischen Rahmen und kleinstes Ritzel fallen kann.


Die L-Schraube definiert in der Umkehr den Anschlag des Schaltwerks am größten Ritzel. L steht dann entsprechend für "low". Der richtige Anschlag ist hier wichtig, damit du den Trigger nicht aus Versehen zu weit durchdrücken kannst und die Kette hinter die Kassette springt.


Voraussetzung für den Einstellvorgang:
•    Schaltwerk ist verbaut
•    Schaltzug ist dran und vorgespannt
•    Justageschraube am Schalttrigger ist mittig eingedreht
•    Schaltauge ist gerade


Ablauf des Einstellvorgangs
1.    Einstellung der Endanschläge (Reihenfolge ob H oder L ist nicht wirklich relevant)
2.    Umschlingung mittels B-Schraube
3.    Schaltperformance mittels Feinjustage am Schalttrigger


benötigtes Werkzeug:
An unserem Schaltwerk benötigen wir einen 2mm Inbusschlüssel. SRAM verwendet z.B. 3mm Inbus


Einstellung der Endanschläge


Beginnen wir mit dem Endanschlag am kleinsten Ritzel. Dafür muss die H-Schraube justiert werden. Dazu schalten wir auf das kleinste Ritzel. Ein Blick von hinten, möglichst genau in Laufrichtung der Kette, ermöglicht uns die Einschätzung der Kettenlinie. Die Leitrolle muss genau unterhalb des kleinsten Ritzels stehen. Dies ist der Ausgangspunkt für alle Schaltvorgänge und muss passen.


 
Drehe an der H-Schraube im Uhrzeigersinn und das Schaltwerk wandert in Richtung Kassette. Drehst du entgegen der Uhr, also raus, gibt der Anschlag Raum frei und das Schaltwerk kann weiter nach außen wandern.


Gehen wir zum oberen Endanschlag. Wie eingangs erwähnt wird dieser über die L-Schraube eingestellt. Auch hier muss das Schaltwerk unterm größten Ritzel stehen. Da der Schaltzug die obere Position bestimmt, kannst du nicht mit herausdrehen der Schraube das Schaltwerk höher stellen. Vielmehr musst du am Trigger drücken und dir dann die Position des Schaltwerks anschauen. Der Endanschlag sollte beim Drücken spürbar sein. Das Schaltwerk darf sich nicht über das große Ritzel drüber raus drücken lassen. Dies muss der Endanschlag verhindern! Ansonsten kann die Ketten hinter die Kassette fallen.

 
Moderne Mountainbikes haben meist so breite Reifen, dass man schon sehr knapp am Reifen vorbei schauen muss, damit man die Position korrekt erkennen kann.


Sind die Endanschläge eingestellt, nehmen wir uns noch die Umschlingung vor. Vorab schauen wir uns aber erstmal die Schaltvorgänge an. Dafür drehen wir an der Kurbel um einmal alle Gänge durchzuschalten. Wir beobachten dabei das Schaltwerk. Die obere Leitrolle darf nicht mit einem Ritzel kollidieren. Sollte dies der Fall sein, musst du direkt an der B-Schraube im Uhrzeigersinn drehen, um das Schaltwerk etwas wegzustellen und Abstand zu schaffen. Passt das dann, schaltest du alle Gänge hoch und runter.


Einstellung der Umschlingung

Schalte auf das größte Ritzel und schau dir den Abstand der Leitrolle zum Ritzel an.
SRAM bietet hier eine Lehre an, welche auf die Leitrolle gelegt wird und man den Abstand sehr genau einstellen kann. Shimano ist da "freizügiger". 5-6mm werden als Abstand empfohlen. Die Einstellung erfolgt über die B-Schraube. Im Uhrzeigersinn gedreht, entsteht ein größerer Abstand.


Einstellung der Schaltperformance

Über die Einstellschraube am Schalttrigger, kannst du die Schaltperformance verbessern. Schaltet das Schaltwerk nur unwillig auf das nächst größere Ritzel, musst du den Schaltzug weiter vorspannen und dazu das Einstellrädchen weiter rausdrehen. Fällt im Gegenzug die Kette nur unwillig auf das kleinere Ritzel, musst du die Einstellschraube reindrehen. Aber Achtung: nicht wild drauf losdrehen. Immer kleine Schritte machen. Ca. 1/4 Umdrehung bewirkt viel an der Schaltwilligkeit. Nimm eine Einstellung vor, dann schalte alle Gänge durch. Beobachte dabei alles und entscheide wo es am meisten gehangen hat.

Solltest du ein Schaltwerk bereits in Benutzung gehabt haben, liegen die Einstellungen meist ziemlich nahe an den alten Einstellungen. Solltest du meinen, dass du sehr große Wege verändern musst damit es passt, solltest du dir das genauer anschauen. Bei neuen Schaltwerken kann es sein, dass die starke Veränderung der Schaltwerksvorspannung (Umschlingung) auch erneut Abweichungen an der Zugspannung oder den Endanschlägen kommen kann. Du solltest also achtsam sein, falls du bei einer Einstellung sehr weit von der Voreinstellung entfernt bist. Kontrolliere dann lieber erstmal die anderen Einstellungen.


Praxistest:
Erst in der Praxis zeigt sich, ob die Einstellungen gut getroffen wurden. Bevor du also zum AlpenX ansetzt, dreh erstmal eine Runde vor deiner Werkstatt. Schalte alle Gänge durch, bevor du an eine Feinjustage gehst. Über die Justageschraube am Schalttrigger solltest du wieder in 1/4-Umdrehungsschritten die Schaltperformance final justieren können. Durch die wirkenden Zugkräfte auf der Kette kann sich dies in der Praxis leicht verändern.


So, nun solltest du fertig sein. Ride on! :-)


Trotz aller Sorgfalt, kann ein Blog-Eintrag keinen Fachmann ersetzen. Solltest du Probleme bei den Einstellungen haben, ziehe einen Fachmann zu Rate! Wir können 

Andreas Lange
Zweiradtechnik / Kommentare 0
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